Parlamentsstipendium abgeschlossen

Georgische Studentin konnte wichtige Erfahrungen sammeln

Als Mitglied des Präsidiums habe ich gerne erneut eine Patenschaft im Rahmen des Stipendienprogramms der Studienstiftung des Berliner Abgeordnetenhauses übernommen. In den letzten zehn Monaten hatte ich in meinem Büro Frau Mariam Vatchridze zu Gast. In regelmäßigen Gesprächen konnten ich und meine Mitarbeiter von ihrer Neugier an unserem parlamentarischen System profitieren. Es ist immer gut, den Austausch über Ländergrenzen zu pflegen. Ich wünsche der Stipendiatin alles Gute für ihre Zukunft. Nachfolgend berichtet Frau Vatchridze über das Stipendienprogramm und ihre Erfahrungen.

Mein Name ist Mariam Vatchridze und ich studiere derzeit im Masterstudiengang „Political Economy of European Integration“ an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Als Stipendiatin der Studienstiftung des Abgeordnetenhauses von Berlin hatte ich die Möglichkeit, ein intensives, akademisch bereicherndes und persönlich sehr wertvolles Jahr in Berlin zu erleben.

Ich komme aus Georgien und bin nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums der Internationalen Beziehungen an der Staatlichen Universität Tiflis nach Berlin gekommen. Das Parlamentsstipendium war für mich besonders wichtig, weil es mir finanzielle Sicherheit gegeben hat und ich mich dadurch stärker auf mein Masterstudium konzentrieren konnte. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, politische Institutionen, demokratische Prozesse und das öffentliche Leben in Berlin besser kennenzulernen.

Im Wintersemester beschäftigte ich mich mit wichtigen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen in der Europäischen Union. Im Kurs „Money and Trade“ untersuchte ich Lohnverhandlungssysteme und Arbeitsmarktreformen in Deutschland und Spanien während und nach der Eurokrise. Außerdem arbeitete ich an Forschungsprojekten über die Dualisierung des Arbeitsmarktes in Spanien, den EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft und die Entwicklung von FRONTEX im Zeitraum von 2015 bis 2020.

Im Sommersemester setzte ich meine Arbeit zu Themen an der Schnittstelle von politischer Ökonomie, europäischer Integration und demokratischer Entwicklung fort. Eines meiner wichtigsten Projekte beschäftigte sich mit Nachfrage- und Wachstumsregimen in Italien und Spanien mithilfe des Sraffianischen Supermultiplikator-Ansatzes. Außerdem arbeitete ich an einer vergleichenden Untersuchung der politischen Strategien von Fidesz in Ungarn und PiS in Polen sowie an einer rechtlichen Analyse der EU-Mindestlohnrichtlinie. Diese Projekte haben mir geholfen, theoretische Kenntnisse mit aktuellen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in Europa zu verbinden.

Neben meiner wissenschaftlichen Arbeit konnte ich durch das Stipendium aktiv am politischen und öffentlichen Leben in Berlin teilnehmen. Ich besuchte Plenarsitzungen, Diskussionen und Veranstaltungen im Abgeordnetenhaus von Berlin, im Deutschen Bundestag und im Landtag Brandenburg. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Sitzung der Enquete-Kommission im Dezember, bei der Fragen des Arbeitsmarktes diskutiert wurden. Da ich zuvor selbst zur Dualisierung des Arbeitsmarktes in Spanien geforscht hatte, war diese Diskussion für mich besonders interessant und relevant.

Ich hatte außerdem die Möglichkeit, wichtige Institutionen wie das Auswärtige Amt, den Bundesrat, das Bundeskanzleramt und das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin zu besuchen. Diese Besuche haben mir geholfen, besser zu verstehen, wie politische Institutionen in der Praxis funktionieren und wie Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen getroffen werden.

Ein wichtiger Teil meiner Stipendienzeit waren die regelmäßigen Treffen mit meinem Mentor, Herrn Stephan Lenz. Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die Unterstützung und das Feedback, die ich während dieser Treffen erhalten habe. Sie haben mir ermöglicht, mehr über die parlamentarische Arbeit zu lernen, politische und wissenschaftliche Themen zu diskutieren und über die Verbindung zwischen Forschung, Demokratie und gesellschaftlicher Verantwortung nachzudenken.

Für mich war das Stipendium viel mehr als nur eine finanzielle Unterstützung. Es hat mir ermöglicht, mich auf meine akademische Entwicklung zu konzentrieren, am politischen und kulturellen Leben in Berlin teilzunehmen und Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven kennenzulernen. Als Studentin aus Georgien, einem Land, das weiterhin an einer engeren europäischen Integration arbeitet, war diese Erfahrung für mich besonders bedeutungsvoll. Sie hat meine Motivation gestärkt, mich auch in Zukunft mit Fragen der europäischen Integration, Demokratie, politischen Ökonomie und der Zukunft Europas zu beschäftigen.

Ich bin der Studienstiftung des Abgeordnetenhauses von Berlin und Herrn Stephan Lenz sehr dankbar für diese wertvolle Möglichkeit. Die Erfahrungen, Kenntnisse und Kontakte aus diesem Stipendienjahr werden mich auf meinem weiteren akademischen und beruflichen Weg begleiten.