Praktikum mit großem Erfolg abgeschlossen

Ich danke Sebastian Ziegler für seinen Beitrag zu meiner politischen Arbeit

Von September bis Dezember 2025 verstärkte der Politikwissenschaftler Sebastian Ziegler mein Büroteam. Wie er im nachfolgenden Praktikumsbericht schreibt, hat er in der Begleitung meiner politischen Arbeit viel gelernt. Meinem Team und mir war es eine Freude, ihm vielfältige Einblicke in den politischen Betrieb zu gewähren. Ergänzen möchte ich, dass er überdies auch im starken Maß zu unseren Arbeitsabläufen beigetragen hat. Für seinen weiteren akademischen und beruflichen Weg wünsche ich ihm alles Gute!

Mein Name ist Sebastian Ziegler und ich studiere Politikwissenschaft und Nordamerikastudien. In meinem Studium beschäftige ich mich unter anderem mit politisch motivierten Formen des Extremismus, den Reaktionsweisen liberal-demokratischer Staaten sowie den institutionellen Arrangements, durch die Sicherheitsbehörden demokratisch legitimiert und kontrolliert werden. Von besonderem Interesse sind für mich dabei Nachrichtendienste als Teil der sicherheitspolitischen Architektur: ihre Aufgabenwahrnehmung im Spannungsfeld zwischen Effektivität und rechtsstaatlichen Limitationen sowie die fortlaufende Abwägung zwischen Sicherheitsanforderungen und individuellen Freiheitsrechten.

Vor diesem Hintergrund war es Ziel meines Praktikums, sicherheits- und innenpolitische Themen nicht mehr nur aus theoretischer Perspektive zu betrachten, sondern sie im konkreten parlamentarischen Alltag zu erleben. Zwar vermittelt mein Studium grundlegende Kenntnisse über das politische System der Bundesrepublik, doch werden Ablauf- und Entscheidungslogiken in ihrer Komplexität häufig erst in der Praxis wirklich sichtbar.

Mein Praktikum absolvierte ich im Abgeordnetenbüro von Herrn Stephan Lenz. Die Einbindung in viele Arbeitsprozesse des Büros ermöglichte mir Einblicke in politische Entscheidungs- und Aushandlungsprozesse auf mehreren Ebenen: von wahlkreisbezogenen Anliegen und bezirklichen Problemlagen über landespolitische Entscheidungen bis hin zum fachpolitischen Austausch, sowohl mit anderen Bundesländern als auch mit dem Bund selbst.

Zu Beginn setzte ich mir drei Ziele:

1. Parlamentarische Praxis besser verstehen: Arbeitsabläufe, Fraktions- und Ausschussarbeit sowie das Zusammenspiel zwischen Parlament, Partei, Verwaltung und Öffentlichkeit nachvollziehen.

2. Studieninteressen vertiefen: insbesondere in den Bereichen Innen- und Sicherheitspolitik, Verfassungsschutz, Prävention und demokratische Resilienz.

3. Politische Kommunikation verbessern: Praxiserfahrung in Öffentlichkeitsarbeit und in der adressatengerechten Aufbereitung politischer Inhalte gewinnen.

Der Praktikumsalltag war vielseitig und setzte sich aus inhaltlicher Zuarbeit, der Teilnahme an politischen Formaten sowie Aufgaben im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zusammen. Ein wiederkehrender Schwerpunkt war die Unterstützung der externen Kommunikation des Abgeordneten. Dazu gehörten das Verfassen und redaktionelle Überarbeiten von Texten für die Website sowie die Erstellung von Social-Media-Inhalten. Aus fachlicher Sicht war dabei besonders aufschlussreich, wie politische Kommunikation unter Bedingungen begrenzter Aufmerksamkeit funktioniert: Komplexe Sachverhalte müssen stark verdichtet werden, zugleich aber konsistent zu programmatischen Linien, institutionellen Zuständigkeiten und aktuellen Debatten gerahmt bleiben. Praktisch bedeutete dies, Informationen aus Terminen, Hintergrundgesprächen oder Protokollen so aufzubereiten, dass sie sowohl politisch anschlussfähig als auch öffentlich verständlich sind.

Parallel dazu übernahm ich Recherchen zur Vorbereitung von Gesprächen und Veranstaltungen. Die Aufgabe bestand darin, Themen zu strukturieren, zentrale Akteure und Argumentationslinien zu identifizieren und Ergebnisse in kurzer, handhabbarer Form zusammenzuführen, beispielsweise als Tischvorlage. Gerade in diesem Bereich wurde deutlich, wie stark politische Arbeit von Zeitknappheit und Priorisierungszwängen geprägt ist und dass Informationsaufbereitung in der Praxis häufig bedeutet, unter Zeitdruck Komplexität zu reduzieren, ohne entscheidende Nuancen zu verlieren.

Ein weiterer Bestandteil war die Begleitung wahlkreisbezogener Termine, etwa im Kontext von Anwohneranliegen. Hier stand weniger abstrakte Programmatik im Vordergrund als vielmehr die Übersetzung konkreter Problemlagen in politisch bearbeitbare Fragestellungen und mögliche Lösungswege. Aus analytischer Perspektive ließ sich dabei die repräsentative Funktion parlamentarischer Arbeit besonders gut beobachten: Wahlkreisarbeit ist nicht lediglich „Bürgerkontakt“, sondern Teil eines kontinuierlichen Rückkopplungsprozesses zwischen gesellschaftlichen Problemlagen und der politischen Bearbeitung durch gewählte Repräsentanten.

Besonders lehrreich war zudem die Teilnahme als Zuschauer an unterschiedlichen parlamentarischen Formaten, insbesondere an Plenarsitzungen sowie an Sitzungen des Ausschusses für Inneres, Sicherheit und Ordnung und des Ausschusses für Verfassungsschutz. Dabei konnte ich Argumentationsmuster, Konfliktlinien und Mehrheitsbildungsprozesse im parlamentarischen Betrieb beobachten. Für meine fachlichen Interessen war hierbei vor allem relevant, wie Sicherheits- und Innenpolitik politisch verhandelt wird: Welche Problemdefinitionen setzen sich durch? Welche normativen Bezugspunkte, etwa Freiheitsrechte, Gefahrenabwehr oder Prävention, werden mobilisiert? Und wie unterscheiden sich die Positionen der Fraktionen hinsichtlich staatlicher Eingriffsbefugnisse, Kontrollmechanismen und präventiver Strategien?

Ergänzend begleitete ich Herrn Lenz zu parteipolitischen Terminen, darunter Ortsverbandsveranstaltungen sowie Parteitage auf Bezirks- und Landesebene. Diese Termine ermöglichten Einblicke in innerparteiliche Willensbildung und in die Verzahnung von Partei- und Parlamentsarbeit. Die Beobachtung dieser „Drehscheibenfunktion“ war insbesondere für das Verständnis von Parteiendemokratie, Fraktionsdisziplin und informellen Koordinationsmechanismen zwischen parlamentarischer und parteilicher Ebene hilfreich.

Sehr wertvoll waren außerdem externe Fach- und Weiterbildungsveranstaltungen, unter anderem im Rahmen der Konrad-Adenauer-Stiftung, sowie ein Vortrag im Besucherzentrum des Bundesnachrichtendienstes zur „Neuen Rechten“. Diese Formate halfen mir, parlamentarische Debatten in breitere wissenschaftliche und sicherheitspolitische Diskurse einzuordnen und zentrale Begriffe bzw. Deutungsangebote, etwa im Bereich der Extremismusforschung, stärker zu kontextualisieren.

Ein eigenständiger Arbeitsstrang bestand in einer KI-gestützten qualitativen Auswertung eines umfangreichen Textkorpus zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt. Ziel war es, Positionen, Maßnahmenvorschläge und Argumentationsmuster von Akteuren systematisch zu erfassen und vergleichbar zu machen. Methodisch stand dabei die Frage im Mittelpunkt, wie sich neue technologische Möglichkeiten in die politikwissenschaftliche Analyse integrieren und so für die politische Praxis nutzbar machen lassen.

Rückblickend war das Praktikum vor allem deshalb erkenntnisreich, weil es den Transfer zwischen theoretischem Wissen und politischer Praxis ermöglicht hat. Das politische System der Bundesrepublik wurde nicht nur als institutionelles Gefüge aus Regeln, Verfahren und Kompetenzen sichtbar, sondern als fortlaufender Prozess, geprägt von Interessen, Zeitrestriktionen, strategischer Kommunikation und der Notwendigkeit, in einer pluralistischen Demokratie Mehrheiten zu organisieren.

Besonders deutlich wurde dabei, dass demokratische Aushandlung selten „bei Null“ beginnt, sondern stets in einem Feld aus institutionellen Pfadabhängigkeiten, medialer Öffentlichkeit, Ressort- und Zuständigkeitslogiken sowie parteipolitischem Wettbewerb stattfindet. Für meine Studieninteressen in der Extremismusforschung war in diesem Zusammenhang aufschlussreich, wie stark bereits die Problemdefinition politisch umkämpft ist: Welche Phänomene als sicherheitsrelevant gelten, wie Bedrohungen eingeordnet werden und ob Prävention, Repression oder gesellschaftspolitische Maßnahmen priorisiert werden, hängt erkennbar von normativen Leitbildern, parteipolitischen Strategien und institutionellen Handlungslogiken ab. Gerade mit Blick auf Nachrichtendienste wurde deutlich, wie zentral Fragen von Kontrolle, Transparenz und parlamentarischer Aufsicht für die Legitimation sicherheitsbehördlichen Handelns sind, und dass parlamentarische Foren damit zugleich Arena politischer Konkurrenz und institutionalisierter Ort demokratischer Kontrolle darstellen.

Die zu Beginn formulierten Ziele, eines vertieften Einblicks in parlamentarische Praxis, die fachliche Anschlussfähigkeit an meine Studienschwerpunkte und der Erwerb praktischer Kompetenzen in politischer Kommunikation, habe ich aus meiner Sicht erreicht. Insgesamt hat das Praktikum mein Verständnis politischer Entscheidungsprozesse erweitert, insbesondere im Hinblick auf die „Vorstufen“ politischer Sichtbarkeit: interne Vorbereitung, Koordination und kommunikative Rahmung, bevor Themen öffentlich oder parlamentarisch prominent werden.

Abschließend möchte ich mich bei Herrn Lenz und seinem Team für die fachliche Betreuung, die kontinuierliche Einbindung in Arbeitsprozesse und die Möglichkeit, an zahlreichen Terminen und Sitzungen teilzunehmen bedanken. Die Offenheit im Umgang und die Vielfalt der Einblicke haben das Praktikum in besonderer Weise lehrreich gemacht.

Sebastian Ziegler